AQUANTUM GmbH

Google+ ?

Seit ein paar Wochen testet Google sein neues Baby in einem geschlossenen Feldversuch. Bisher haben sich geschätzte 20 Millionen Nutzer Google+ angesehen und eines der Hauptthemen bei Google+ ist Google+. Überall wird darüber diskutiert was Google+ ist und was man damit machen kann. Hat Google+ wirklich das Zeug der neue Stern am Social Media Himmel zu werden?

Eine Antwort darauf haben wir nicht, aber erste Erfahrungen konnten wir sammeln.

+1 – Noch mehr Google

(Sebastian, Webentwicklung)

Google schafft es immer wieder, mich sowohl als Entwickler als auch als Nutzer mit neuen Technologien und Produkten zu begeistern. 

Zuerst war da natürlich die Google-Suche. Heute kann ich mich nicht mal mehr daran erinnern, jemals andere Suchmaschinen genutzt zu haben. Bald war auch mein Interesse als Entwickler an Suchmaschinenoptimierung geweckt, um mit den eigenen Webseiten möglichst hoch in den Ergebnislisten zu landen. Dann Google Mail. Anfangs war ich skeptisch, dem “Datenkraken” Google meine persönlichen Emails anzuvertrauen. Mittlerweile werden auch mein Kalender und mein Adressbuch mit Google-Servern synchronisiert.

Die unkomplizierte Integration der Google-Dienste mit Desktop-Programmen auf meinem Macbook, die Sicherheit, immer ein Online-Backup dieser Daten verfügbar zu haben, und nicht zuletzt die Kostenfreiheit schafften es, meine Datenschutz-Skepsis einfach auszublenden.

Und trotz meiner Begeisterung für Firefox ist mein bevorzugter Browser heute Google Chrome. Wie viele andere Google-Produkte auch ist Chrome technisch brilliant, funktional und effizient zu Nutzen.

Auch in unserer Firma AQUANTUM hat Google einen festen Platz eingenommen. Wir kommunizieren via Google Mail und Google Talk, Office-Dokumente werden kollaborativ über Google Docs bearbeitet, Termine stehen im Google Calendar. Mit Google App Engine stellt Google seit einiger Zeit auch eine Entwicklungsplattform für Webanwendungen in der Wolke bereit.

Und jetzt gibt es also Google+ (Google Plus). Auf den ersten Blick einfach Google’s eigenes soziales Netzwerk, eine Konkurrenz zu Facebook. Auf den zweiten Blick steckt jedoch mehr dahinter.

Warum ich all die von mir bisher genutzten Google-Produkte aufgezählt habe, hat zwei Gründe: Erstens ist es eine Art Disclaimer – ich bin definitiv Google Fan. Zweitens zeigt es aber auch, dass ich sogar ohne Google Plus schon längst Teil von Google’s Netzwerk bin.

Und das ist auch Teil von Google’s Strategie. Unter dem Codenamen “Emerald Sea” ist Google Plus nur das sichtbarste Ergebnis einer Reihe von Veränderungen, welche fast die gesamte Produktpalette Google’s umfassen. Vereinfacht gesagt geht es darum, das Menschen sich in erster Linie nicht für Computer und Technologien interessieren, sondern für andere Menschen. Und daher soll das Element der sozialen Interaktion in alle Bereiche integriert werden. Google will es den Menschen einfach machen, jegliche digitalen Inhalte mit anderen zu teilen. Inhalte werden nicht mehr nur sortiert und organisiert, sondern in einen Zusammenhang mit persönlichen Beziehungen gestellt. Im Prinzip ist das auch völlig logisch, denn je persönlicher Inhalte für uns sind, desto wertvoller werden sie. Und erst wenn Google wirklich weiß, was uns persönlich interessiert, kann es uns auch die relevantesten Informationen liefern. Und die passende Werbung dazu.

Bisher ist Google Plus allerdings noch völlig werbefrei. Das mag einer der Gründe sein, warum es im Vergleich zu Facebook aufgeräumter und übersichtlicher wirkt. Vieles scheint ähnlich, aber im Detail irgendwie besser zu sein. Alles funktioniert schnell und ohne Fehler und lässt sich intuitiv bedienen. Persönlich gefallen mir z.B. die Hangouts (Multiuser-Videochats) und Bildergallerien sehr gut.

Herausragendes Beispiel und vielleicht das Google Plus “Killerfeature” sind jedoch die Circles, welche eine unkomplizierte Gruppierung der Kontakte ermöglichen. Während ich bei Facebook bis heute keinen meiner Freunde in eine Liste einsortiert habe, macht das Benutzen der Circles richtig Spaß.

Die Circles erfordern zudem keine beidseitige Bestätigung und kombinieren auf diese Weise die Freundeslisten von Facebook mit dem “Follower”-Schema von Twitter. Auf Facebook bekomme ich ab und zu Freundschaftsanfragen von Entwicklern, denen meine Open Source Projekte gefallen. Allerdings schreibe ich einerseits so gut wie nie Facebook-Beiträge mit Entwickler-Bezug und andererseits akzeptiere ich dort auch nur Personen, die ich persönlich kennen gelernt habe. Auf Google Plus kann mich dagegen jeder zu seinen Circles hinzufügen und darauf hoffen, das ich etwas sinnvolles oder gar interessantes in einem öffentlichen Beitrag schreibe. Genauso kann ich irgend eine interessante Person auf Google Plus zu meinen Circles hinzufügen (Google hat dafür sogar schon einen Default-Circle namens “Following” vorgesehen), um die öffentlichen Beiträge dieser Person in meinem Stream zu sehen. Es gibt daher einige Leute, die behaupten, dass Google eine größere Gefahr für Twitter als für Facebook sei.

Eine weitere praktische Eigenschaft der Circles ist, dass ich auch Email-Adressen von Personen hinzufügen kann, die selbst keinen Google Plus Account besitzen und somit Inhalte auch mit Nutzern außerhalb des sozialen Netzwerks teilen kann.

Trotz allem habe ich selbst bisher allerdings nur einen einzigen Beitrag auf Google Plus verfasst und auch diesen mehr als Test, und weniger, weil ich wirklich etwas zu teilen hatte. Das liegt in erster Linie daran, dass die meisten meiner Freunde nur auf Facebook sind und die wenigen Google Plus Nutzer in meinem Umfeld sich aus technik-affinen “Early Adopters” zusammensetzen. Da dazu jedoch auch die gesamte Firmenbelegschaft von AQUANTUM gehört, könnte Google Plus dank der Circles vielleicht sogar unser internes Blog ersetzen.

In Zukunft wird sich zeigen, ob Google Plus genügend Nutzer anziehen kann, ob es Twitter oder gar Facebook ersetzen wird, oder ob mehrere soziale Netzwerke nebeneinander bestehen können. Für ein Offenes Web wäre zu hoffen, dass die Konkurrenz von Facebook und Google Plus dazu führt, das Nutzer mehr Kontrolle über ihre eingestellten Inhalte erhalten und beispielsweise Kontakte, Beiträge und Bilder leichter extrahieren und umziehen können.

 

Keine Lust mehr auf Facebook

(Petra, Webkonzeption und Interface Design)

Eigentlich wollte ich am 30. Juni bei Google+ nur mal kurz reinschauen, aber jetzt habe ich keine Lust mehr auf Facebook. Ich fand Facebook schon immer hässlich und nervig, bin aber wie viele dort, weil Freunde da sind, die ich selten bis nie im wirklichen Leben sehe. So verpasse ich zumindest keine Hochzeiten, Geburten oder andere Ereignisse, die man gerne teilt. Die Zeiten in denen man sich regelmässig Briefe schrieb, telefonierte oder sogar traf sind irgendwie vorbei. Die meisten meiner Freunde haben Familie, mehr oder weniger anstrengende Jobs oder wohnen am anderen Ende der Welt.

Dafür nimmt man auch schon mal Werbung in Kauf, die nicht nur lästig ist, sondern auch aufregt. Wie, wenn man schreibt, dass man leider nicht nach New York kommen kann, weil man nur in absolutem Notfall in ein Flugzeug steigen würde und man darauf hin mit Anzeigen für Billigflüge nach Thailand geärgert wird. Man akzeptiert auch zähneknirschend, dass es Freunde gibt, die Glücksnüsse verteilen oder Apps, die Dinge wissen wollen, die nicht akzeptabel sind. Man kann ja zumindest immer Nein sagen.

Was mich bei Facebook immer gehemmt hat, mit neuen Menschen eine Verbindung aufzunehmen, ist schlicht die Formulierung „FreundIn hinzufügen“. Ich gehörte nie zu den Menschen, die jeden gleich Freund nennen. Freundschaft ist für mich eine tiefergehende Beziehung und zu wertvoll, als das ich damit inflationär um mich werfe. Und jemanden einfach als Freund oder Freundin hinzufügen erscheint mir in gewisser Weise auch anmassend. Somit besteht meine Freundesliste in Facebook auch tatsächlich aus einer überschaubaren Anzahl von Menschen, die ich tatsächlich kenne. Nicht alles Freunde, aber immerhin so nah, dass ich mit ihnen auch privates teilen kann.

Bei Google+ ist das völlig anders. Man ordnet Personen Kreisen zu, was zwar etwas über die Beziehung zu der Person aussagen kann, aber über die Art dieser Beziehung und ihrer Bezeichnung entscheide ich und niemand sonst sieht sie. Ich kann jemanden einer meiner Kreise hinzufügen ohne dass er mich zum Freund machen muss. Schon mal angenehm.

Was mich besonders freut ist, dass ich ich bei Leuten mitlesen kann, die ich auf Facebook sicher nie angesprochen hätte. So sind bekannte Blogger, Google Chefs, Designer, Entwickler, Journalisten und Künstler in einem Kreis versammelt, echte Freunde, lockere Bekannte, Arbeitskollegen in anderen. Ich kann entscheiden, ob ich alles auf einen Haufen oder nur die Nachrichten eines Kreises sehen will.

Andersherum kann ich jedes mal, wenn ich etwas schreibe, entscheiden wer das sehen darf. Es gibt Dinge, die ich tatsächlich gerne öffentlich teile, und solche, die nur meine engsten Freunde sehen dürfen. Dann habe ich noch leere Kreise, in die ich nur Dinge poste, die ich für mich aufheben will oder in denen Ideen und Entwürfe sammle.

Also ja, ich mag Google+. Es ist schön, es ist (noch) aufgeräumt, es ist im Gegensatz zu Facebook erwachsener und ernsthafter. Die iPhone App ist zwar noch ein bisschen lahm und der Funktionsumfang nicht umwerfend, aber es reicht für das Nötigste. Google+ ist in kurzer Zeit das, wofür Facebook Monate gebraucht hat. Es ist für mich ein Ort, an den ich gerne zum lesen, sehen, teilen und reden gehe. Und es ist immer präsent, da ich mein privates Google Mail Konto nur im Web-Frontend nutze.

Der einzige Haken ist die zunehmende Allgegenwärtigkeit von Google, das beunruhigt auch mich, manchmal. Aber ich bin mir seit meiner ersten E-Mail-Adresse vor 15 Jahren bewusst, dass alles, was ich ins Netz gebe, und jede Bewegung, die ich unternehme, dokumentiert wird. Daher übergebe ich diesem unfassbaren Ungetüm auch nur Dinge, die zwar nicht jeder unbedingt wissen muss, von mir aus aber jeder wissen kann. Für alles andere gibt es genügend passendere Aufbewahrungs- und Weiteragabemöglichkeiten.

Und wenn ich die Wahl habe, dann begebe ich mich lieber in die Hände von Unternehmen, die mir zumindest das Gefühl geben, dass es in erster Linie um mich und meine Bedürfnisse geht und nicht um fette Bilanzen und glückliche Aktionäre.

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Kommentare (3)

3 Kommentare »

  1. Hallo Petra
    Vielen Dank für die wunderbare Zusammenfassung von Google+. Da bin ich ganz deiner Meinung. Die Android-App von Google+ läuft übrigens einiges flüssiger als diejenige von Facebook, aber das ist ja nicht verwunderlich. :)
    Hier übrigens ein gutes Video, das in etwa deine Meinung zusammenfasst: http://www.youtube.com/watch?v=hC_M6PzXS9g

    Und noch zum Thema Datenschutz: Irgend ein schlauer Mensch hat einmal gesagt: “Wenn du nicht willst, dass jemand weiss, was du tust, dann tue es erst gar nicht.” Für mich ein schöner Leitsatz im Umgang mit persönlichen Daten im Web.
    Lg
    Claudio

    Kommentar by Claudio — 28. Juli 2011 @ 08:38

  2. Danke Claudio :)
    Die iPhone-App ist ja auch noch ganz frisch und man sollte auch immer bedenken, dass das ganze ja noch ein Feldversuch ist.

    Das Video hat mir auch gefallen und ist oben verlinkt.

    Schöner Satz.

    Kommentar by Petra — 28. Juli 2011 @ 09:38

  3. Your style is really unique compared to other folks I’ve read stuff from. gfcdedgdebck

    Kommentar by Johna747 — 19. Juli 2014 @ 03:36

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